Colonia Marciana Traiana Thamugadi, in der Provinz Africa

Die seltenen Ruinen einer römischen Stadt, die nicht überbaut wurden

Timgad (oder Thamugadi) war eine römische Stadt im Aurès-Gebirge in Algerien. Sie wurde um 100 n. Chr. von Kaiser Trajan gegründet und im Gedenken an seine Familie benannt. Die Ruinen befinden sich etwa 35 km östlich der Stadt Batna und sind besonders sehenswert, weil sie eines der besten erhaltenen Beispiele für den Rasterplan darstellt, wie er in der römischen Stadtplanung verwendet wurde und heute noch einige Säulen, Straßen, Torbögen, ein römisches Theater und viele Grundmauern erhalten sind. Timgad wurde 1982 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Kurze Übersicht

Adresse:

südlich von Timgad, Algerian (35.48675559734367, 6.468413865543313)

Baujahr:

ca. 100 n. Chr.

Bauart:

Colonia / Römische Siedlung

Besonderheit:

Eine komplette, römische Stadt, die verhältnismäßig gut erhalten ist und nicht überbaut wurde

Eintritt:

nur ca. 0,70 €; zusätzlich können am Eingang für wenige Euro Führer gebucht und gedruckte Guides gekauft werden.

Römische Coloniae waren selbstständige Siedlungen, die sich in einem von Rom eroberten Gebiet befanden und in dem sich römische und/oder lateinische Bürger niedergelassen hatten. Eine römische Colonia wurde geplant angelegt und hatte in der Anfangszeit häufig den Charakter eines militärischen Vorpostens. In späterer Zeit der militärischen Konflikte, dienten die Coloniae auch dazu, römische Veteranen mit Land zu versorgen, sodass diese sich in Ihrem Ruhestand dort niederlassen konnten.

Sehenswertes

Vom Eingang aus führt der Weg am Museum vorbei, das viele Jahre, nur Wissenschaftlern vorbehalten und für die Öffentlichkeit geschlossen war. Das Museum enthält mehr als 200 beeindruckende Mosaiken, die in Timgad gefunden wurden..; einige davon sogar in der Größe eines modernen Hauses.

Die an der Kreuzung von sechs Straßen gelegene römische Stadt war ummauert, aber nicht wirklich befestigt. Ursprünglich für eine Bevölkerung von etwa 15.000 Einwohnern konzipiert, wuchs die Stadt schnell über ihre Grenzen hinaus und

überschritt das Gitternetz der eigentlich geplanten Stadtform. Zur Zeit ihrer Gründung war das Gebiet um die Stadt ein fruchtbares landwirtschaftliches Gebiet, etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Die ursprüngliche römische Siedlung wurde sehr detailliert geplant: 355 m lang auf jeder Seite, wobei das Nordtor, genau in der Mitte der nördlichen Mauer liegt. Von hier aus trifft man auf den Cardo Maximus, die wichtigste Nord-Süd-Straße, eine lange gerade Strecke mit Wagenfurchen, die bergauf zum Stadtzentrum führt. Mit einer Breite von fünf Metern und einer Länge von 180 m überdeckte sie einen der Hauptabflüsse und war in ihrer Blütezeit von Säulenarkaden oder Säulengängen eingefasst.

Am westlichen Ende des Decumanus erhebt sich ein 12 m hoher Triumphbogen, genannt Trajansbogen, der 1900 teilweise restauriert wurde. Der Bogen besteht hauptsächlich aus Sandstein und wurde in korinthischer Form, mit drei Bögen, gebaut, von denen der mittlere ca. 3,35 m breit ist.

Ursprünglich gab es in Timgad ein Westtor, das ähnlich aufgebaut war, wie die Tore an den anderen Himmelsrichtungen. Im 3. Jahrhundert überschritt die Ausbreitung der Stadt  jedoch nach Westen das ursprüngliche Raster schon so weit, dass der Trajansbogen erbaut wurde. Er ist heute das eleganteste der erhaltenen Bauwerke Timgads. Der hohe Mittelgang war den Streitwagen vorbehalten, deren Durchgang entlang der holprigen Steine durch das Einschneiden von Führungsrillen geglättet wurde. Die Bögen auf beiden Seiten waren für Fußgänger bestimmt, die unter einem Paar hoher flankierender Säulen und dem Blick der kaiserlichen Statuen hindurchgingen.

Südlich des Forums gelegen, lag das Theater eine der bürgerlichen Freuden Timgads. Es entstand in den 160er Jahren und bot in seinen Reihen bis zu 3500 Personen Platz.
Französische Archäologen rekonstruierten das meiste von dem, was wir heute sehen; das Original wurde von den Soldaten des Kaisers Justinian abgebaut, als sie 539 die nahe gelegene Festung bauten.

Was auch immer sich hier in der Antike abspielte, heute ist das Hauptspektakel für Besucher die großartige Aussicht auf die gesamte Stätte vom „Platz der Götter“ aus, dem obersten Sitzplatz des Theaters.

Nordwestlich vom Museum liegen die Überreste der Großen Bäder,

einem riesigen öffentlichen Ort mit etwa 40 Räumen, der außerhalb der ursprünglichen Lagermauern errichtet wurde. Die Bäder wurden symmetrisch angelegt, mit den gleichen Latrinen, warmen und heißen Räumen auf beiden Seiten des Komplexes, die zu einem zentralen Frigidarium, dem Kühlraum mit einem eisigen Tauchbecken und einem Raum an beiden Enden, zum Entspannen nach dem Bad, führen.

Gleich dahinter befinden sich die Überreste einer großen Privatvilla, ein Beweis für den Reichtum, den Timgad genoss. Abgesehen von einigen großen Zimmern verfügte der Besitzer dieser Residenz über ein eigenes Bad, in dessen beheiztem Raum einst das Mosaik der Filadelfis stand, das heute im Museum ausgestellt wird.

Der Kapitolinische Tempel ist dem Jupiter gewidmet und hat ungefähr die gleichen Ausmaße wie das Pantheon in Rom. Das Kapitol war -wie der Tempel im Zentrum Roms, an den es erinnert- den Göttern Jupiter, Juno und Minerva geweiht. Dies war der heiligste Ort der römischen, religiösen Verehrung.

Er war größer als das Forum und war über eine 28-stufige Treppe zu erreichen. Von den beiden, 14 m hohen, rekonstruierten, Säulen und einigen Fragmenten, die in der Nähe verblieben sind abgesehen, ist davon allerdings nur wenig übrig geblieben.

In der Nähe des Kapitols befindet sich eine quadratische Kirche mit einer runden Apsis aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. Eines der Heiligtümer ist mit dem Bildnis der Göttin Dea Africa verziert. Südöstlich der Stadt befindet sich eine große byzantinische Zitadelle, die in späteren Zeiten der Stadt erbaut wurde.

Historie

Die Stadt genoss in den ersten hundert Jahren ein friedliches Leben und wurde ab dem 3. Jahrhundert ein Zentrum christlicher Aktivitäten und ab dem 4. eines des Donatismus .

Im 5. Jahrhundert wurde die Stadt von den Vandalen geplündert und schließlich dem Verfall preisgegeben. Im Jahr 535 n. Chr. fand der byzantinische General Salomon die Stadt verlassen vor, als er sie während des Vandalenkrieges besetzen wollte. Im folgenden Jahrhundert wurde die Stadt kurzzeitig als, hauptsächlich christliche Stadt, neu bevölkert, bis sie

im 7. Jahrhundert von den Berbern zerstört wurde. Da nach dem 7. Jahrhundert n. Chr. keine neuen Siedlungen auf dem Gelände gegründet wurden, blieb die Stadt teilweise bis zu einer Tiefe von etwa einem Meter unter Sand erhalten. Das Eindringen der Sahara in das Gebiet der Ruinen war der Hauptgrund dafür, dass die Stadt so gut erhalten ist.

Der schottische Entdecker James Bruce, der Nordafrika bereiste, erreichte die Ruinen der Stadt am 12. Dezember 1765. Er war wahrscheinlich der erste Europäer seit Jahrhunderten, der die Stätte besuchte, und beschrieb die Stadt als „eine kleine Stadt, aber voller eleganter Gebäude“.

Im Jahr 1790 veröffentlichte er das Buch „Reisen zur Entdeckung der Nilquelle“, in dem er beschrieb, was er in Timgad gefunden hatte. Das Buch stieß in Großbritannien auf Skepsis, bis 1875 Robert Lambert Playfair, Großbritanniens Konsul in Algerien, inspiriert durch den Bericht von Bruce, selbst den Ort besuchte. 1877 beschrieb Playfair Timgad ausführlicher in seinem Buch „Auf den Spuren von Bruce in Algerien und Tunis“. Laut Playfair „sind diese Hügel mit unzähligen der interessantesten megalithischen Überreste bedeckt“.

1881 übernahmen die französischen Kolonisten die Kontrolle über die Stätte, begannen mit Untersuchungen und hielten sie bis 1960 instand. Während dieser Zeit wurde die Stätte systematisch ausgegraben, erforscht und 1982 schließlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.