Die römische Villa von Pisões ist eine archäologische Stätte in der Gemeinde Beja, Portugal. Sie besteht aus einem großen Herrenhaus, das vom 1. Jahrhundert bis zur westgotischen Herrschaft der Region bewohnt wurde. Es ist eine der bedeutendsten und am besten erhaltenen römischen Villen in Portugal und wurde daher als öffentliches Gut eingestuft. Besonders bekannt ist sie wegen ihrer vielen Mosaiken und der angegliederten Thermen, die ebenfalls zu den bedeutendsten des Landes gehören. Heute ist zwar leider nicht mehr viel des Mauerwerks erhalten, aber die Villa von Pisões begeistert trotzdem noch seine Besucher.
Eine der bedeutendsten und am besten erhaltenen römischen Villen in Portugal
Ein ländliches Herrenhaus, mit eigenen Thermen und einem Staudamm
Kurze Übersicht
Adresse:
Beja, Portugal (37.997916, -7.949592)
Baujahr:
ca. 1. Jahrhundert n. Chr.
Bauart:
Villa Rustica
Besonderheit:
Eine am besten erhaltenen römischen Villen in Portugal, mit vielen gut erhaltenen Mosaiken
Eintritt:
ca. 3,00€
Eine Villa Rustica war ein Landhaus wohlhabender Römer, das oft den Mittelpunkt eines großen landwirtschaftlichen Anwesens (latifundium) bildete und als Wohnsitz des Landbesitzers, seiner Familie und seiner Gefolgsleute diente, aber auch als landwirtschaftliches Verwaltungszentrum. Sie bestand meist aus mehreren Gebäuden für die Unterbringung der Landarbeiter sowie Ställen und Scheunen für Tiere und Feldfrüchte. Der Aufbau einer Villa Rustica bestand meistens aus drei Teilen: der urbana (Haupthaus), dem landwirtschaftlichen Zentrum und der rusticana (Hofbereich).
Sehenswertes
Die archäologische Stätte der Villa von Pisões befindet sich in Herdade da Almocreva, etwa 10 km von der Stadt Beja entfernt, in einem Gebiet, das als Beja-Ton bekannt ist.
Der archäologische Komplex nimmt etwa sechs Hektar ein, während die römische Villa schon alleine über 5000 m² groß ist.
Die Villa wurde zwar mit Informativen Schildern für Besucher vorbereitet, jedoch steht auch heute noch die Erforschung im Fordergrund und nicht der Tourismus, was sich daran zeigt,
dass es keine befestigten Straßen zur Stätte gibt, sondern, dass das Gelände über „Feldwege“ angefahren werden muss.
Die Ruinen von Pisões entsprechen einer typischen römischen Villa, d.h. einer wohlhabenden Behausung, die auch als Kern eines landwirtschaftlichen Anwesens fungierte. Das Landhaus hatte über 40 Räume, die von drei Seiten um einen zentralen Hof mit Säulengang verteilt waren.
Die Hauptfassade der Villa war nach Süden ausgerichtet und Parallel zum Wasserbecken befanden sich vier Grabbauten, die für die wohlhabendsten Bewohner der Villa bestimmt waren. Neben dem Haus befanden sich auch mehrere landwirtschaftliche Bauten, wie Mühlen, Scheunen und Behausungen für die Arbeiter.
Etwa 200m von der Villa entfernt, wurde ein Staudamm entdeckt, der wohl zur Wasserversorgung des Hauses, der Landwirtschaft und des Viehs diente. Tatsächlich verfügte das Wohnhaus sogar über mehrere Bereiche, die die Wasserversorgung nutzten, wie z.B. die Thermen, mit mehreren großen Wassertanks und Schwimmbecken. Der Damm bestand aus einem Mischmauerwerk, das aus kleinen Dioritblöcken und anderen Gesteinen zusammen in opus incertum mit Mörtel zusammengefügt wurden, von größeren Blöcken bedeckt und betoniert wurden.
Abel Viana schrieb auch von vorhandenen Wassermühlen, die die Kraft des Wassers nutzten. Für alltägliche, häusliche Arbeiten wurde die römische Villa durch einen kleinen gemauerten Brunnen versorgt, der sich im Inneren des Hauses befand.
Um die Villa herum wurden mehrere archäologische Stätten gefunden, die mit ihr in Verbindung stehen. Dort wurden Münzen, Fragmente von Keramik und zwei Öfen aus der Römerzeit gefunden. Auch ältere Überreste aus dem Neolithikum, der Bronze-, Eisen- und der Neuzeit wurden in der Region entdeckt.
Die geometrischen Motive zeigen Kreise, Quadrate, Dreiecke, Sechsecke, Kreuze, Hakenkreuze und Deltas, während die natürlichen Motive Tauben und Meerestiere (z.B. Aale und Fische) darstellen.
Ein weiteres besonders dekoratives Material, das beim Bau verwendet wurde, war Marmor, sowohl für Boden- als auch Wandbekleidungen.
Von den verschiedenen Mosaiken sticht eines besonders hervor: Es befindet sich am Grund eines Hausteiches, der in der Mitte von einem der Räume liegt. Es ist das einzige Mosaik mit aquatischem Thema, in der gesamten Villa. Es stammt aus der Mitte des 4. Jahrhunderts, besteht aus Keramik, verschieden farbigen Kalksteinen und stellt Meeretiere dar: zwei Fische, eine Muräne und die Tentakel eines Tintenfisches oder eines Kalmars.
Eines der wichtigsten Überbleibsel in der archäologischen Stätte ist eine Inschrift zu Ehren der römischen Gesundheitsgöttin Salus, die den Namen des Caius Atilius Cordus enthält, wahrscheinlich der Name der Familie, der die alte Villa gehörte..; eine Information, die bei Bauten dieses Typs, auf der Iberischen Halbinsel, nur selten ist.
Die Villa von Pisões ist eines der bedeutendsten und am besten erhaltenen Bauwerke dieser Art auf der gesamten Iberischen Halbinsel, eines der informationsreichsten Überbleibsel der römischen Zeit in der Gemeinde Beja und eine der ursprünglichsten römischen Villen auf der gesamten Halbinsel.
Die römische Villa von Pisões wurde am 15. Mai 1970 als Gut von öffentlichem Interesse eingestuft.
Historie
Das Gebiet, in dem sich die Villa von Pisões befindet, wurde bereits vor der Römerzeit bewohnt, wie verschiedene Funde zeigen: darunter Gräber, ein osario, Werkzeuge und Verzierungen aus der ausgehenden Jungsteinzeit, Dekorationsstücke aus der späten Bronzezeit sowie Spuren von Gebäuden, Keramik und Gebrauchsgegenständen aus der Eisenzeit.
Die Villa wurde im 1. Jahrhundert n.Chr. erbaut und war bis ins 4. Jahrhundert bewohnt. Die Mausoleen der Villa scheinen Ende des 2. Jahrhunderts erbaut worden zu sein.
Im Inneren der Ruinen des Hauses wurden Beweise für eine Besetzung nach der römischen Herrschaft gefunden, darunter viele spätrömische schwarze Keramikstücke und zwei Kapitelle aus westgotischer Zeit.
In der Ribeira da Chaminé wurden Wassermühlen zur Verarbeitung von Wolle nachgewiesen, die wahrscheinlich nach der römischen Herrschaft gebaut wurden. Diese wurden Pisões genannt, woraus der Name der Villa entstand.
Der erste Teil des Komplexes, der entdeckt wurde, war der Staudamm, auf den Abel Viana 1947 in seinem Werk Historische, archäologische und ethnographische Notizen des Baixo Alentejo Bezug nahm.
Die Villa selbst wurde 1964 zufällig entdeckt, als ein Teil des Geländes für die Landwirtschaft gepflügt wurde, jedoch etwas die Bewegung des Pfluges behinderte, so dass der Besitzer eine Maschine mit höherer Leistung einsetzte und drei große Mühlengewichte, auch Pisões genannt, ans Tageslicht brachte.
Diese Entdeckung wurde dem Archäologen Fernando Nunes Ribeiro gemeldet, der sich zwar an den Funort begab, dort aber keine Nachforschungen anstellen durfte. Durch seine Bitte alle Steine der Art, die der Besitzer gefunden hatte, zu behalten wurden tatsächlich bei landwirtschaftlichen Arbeiten weitere Stücke entdeckt, darunter ein Kapitell und der Schaft einer Säule. Im Februar 1967 wurde ein Teil eines Mosaiks freigelegt, ein Fund, der die Bedeutung der Stätte hervor hob. So wurden nun doch endlich Untersuchungen begonnen, um das archäologische Potential der Stätte zu ergründen. Wegen mangelnder finanzieller Mittel mussten die Forschungen jedoch wieder eingestellt werden.
Glücklicherweise erregten die bedeutenden Funde die Aufmerksamkeit des Ministeriums für Nationale Bildung und der Generaldirektion für Denkmäler auf sich, die den Funort als Gut von öffentlichem Interesse erklärte. Es fehlte jedoch weiterhin an finanziellen Mitteln für wissenschaftliche Untersuchungen, ein Problem, das schließlich durch Zuschüsse der Calouste-Gulbenkian-Stiftung gelöst werden konnte.
1980 wurde der Umfang der Ruinen auf etwa 30.000 m² eingezäunt. In der Zwischenzeit, in der Zeit nach der Revolution vom 25. April 1974, fand einer der ersten Vandalismusakte in den Ruinen statt, als Mosaike beschädigt wurden, die Hakenkreuze darstellten, deren Ursprung jedoch nichts mit dem Faschismus oder Nationalsozialismus zu tun hatte.
Erst im Februar 2016 konnte die Universität von Évora, unter der Leitung des Geophysikers Bento Caldeira, mit der Ausarbeitung eines Plans zur Untersuchung, Verbreitung und Erweiterung der Stätte beginnen.
Anfang 2017 begann die Universität mit einer archäologischen Kampagne, die unter anderem zum Ziel hatte, Spuren im Untergrund zu entdecken und die verschiedenen Mörtel in den Ruinen zu untersuchen. Im Juli desselben Jahres befanden sich die Ruinen in einem verlassenen Zustand, waren von Vegetation bedeckt und durch Vandalismus beschädigt. Um weitere Schäden an den Mosaikböden zu vermeiden, wurden massive Platten darauf gelegt.
Am 24. August 2017 wurde eine Vereinbarung zwischen der Gemeinde Beja, der Universität Évora und der Regionaldirektion für Kultur des Alentejo getroffen, die die Aufwertung der römischen Villa, ihre Öffnung für die Öffentlichkeit und die Schulung des Experimentierfeldes für Archäologie vorsah.
Im Mai 2018 organisierte die Gemeinde Beja die fünfte Ausgabe des Beja Romana-Festivals; eine der Veranstaltungen war ein Besuch der Villa von Pisões. Im gleichen Monat wurde der Finanzierungsvertrag für den Bau des Parque Fluvial Cinco Reis unterzeichnet, ein Naturkomplex mit Flussstrand, der etwa 1 km von den Ruinen von Pisões entfernt liegt. Damals erhoffte man sich, dass der Park auch die archäologische Stätte aufwerten würde.
Im Februar 2019 wurde die Nutzung der Villa auf einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung von Beja erörtert, und zu diesem Zeitpunkt erklärte der Bürgermeister Paulo Arsénio, dass die Stätte für Besucher eröffnet werden soll, auch wenn die angrenzenden Straßen bisher nicht befestigt wurden.