Das höchste aller römischen Aquädukte in Frankreich und eines der am besten erhaltenen

Römische Wasserversorgung des antiken Frankreichs

Der Pont du Gard ist eine alte römische Aquäduktbrücke, die im ersten Jahrhundert n. Chr. gebaut wurde, um Wasser über 50 km weit zur römischen Kolonie Nemausus zu transportieren. Sie überquert den Fluss Gardon in der Nähe der Stadt Vers-Pont-du-Gard, in Südfrankreich. Früher transportierte das Aquädukt täglich schätzungsweise 40.000 m³ Wasser zu Brunnen, Bädern und Wohnungen in Nîmes. Ab dem 4. Jahrhundert resultierte ein Wartungsmangel schließlich in Ablagerungen von Erden, Steinen und Trümmern, die den Wasserfluss schließlich stoppten. Wegen der historischen Bedeutung wurde der Pont du Gard 1985 von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen.

Kurze Übersicht

Adresse:

400 Route du Pont du Gard, 30210 Vers-Pont-du-Gard, Frankreich

Baujahr:

Im 1. Jahrundert n. Chr.

Bauart:

Besonderheit:

eine der fünf größten Touristenattraktionen Frankreichs, mit rund 1,4 Millionen Besuchern im Jahr 2001.

Eintritt:

ca. 9,50€ (inkl. Museum)

Aquädukte sind Wasserläufe, die Wasser von einer Quelle zu einem weit entfernten Verteilungspunkt transportieren. Römische Aquädukte wurden in allen Teilen des Reiches gebaut,  insbesondere in der Stadt Rom selbst, wo sie insgesamt über 415 Kilometer lang waren. Die Aquädukte versorgten öffentliche Bäder, lieferten Trinkwasser und versorgten die Landwirtschaft. Brücken aus Stein mit mehreren Bögen waren ein charakteristisches Merkmal römischer Aquädukte, und daher wird der Begriff Aquädukt häufig speziell für brückenartige Bauten zum Transport von Wasser verwendet.

Sehenswertes

Die Akuäduktbrücke Pont du Gard besteht aus drei Bogenebenen, ist 48,8 m hoch und fällt nur 2,5 cm ab, während das komplette Aquädukt, zu dem der Pont du Gard gehört, über seine gesamte Länge nur 12,6 m in der Höhe abfällt, was die große Präzision, die die römischen Ingenieure mit einfacher Technik erreichen konnten, hervorhebt.

Die Breite der Brücke variiert zwischen 9 m unten und 3 m oben. Die drei Ebenen der Bögen sind zurückgesetzt, wobei die Hauptpfeiler übereinander liegen. Die Spannweite der Bögen variiert geringfügig, da jeder Bogen unabhängig konstruiert wurde, um Flexibilität zum Schutz vor Setzungen zu bieten. Jede Ebene hat eine unterschiedliche Anzahl von Bögen.

Die erste Ebene des Pont du Gard grenzt an eine alte Straßenbrücke, die im 18. Jahrhundert gebaut wurde. Die etwa 1,8 m hohe und 1,2 m breite Wasserleitung oder Specus befindet sich auf der Spitze der dritten Ebene.

Wolfgang Pehlemann (erweiterte Lizenz CC-by-sa  V. 3.0)

Die oberen Ebenen der Brücke sind leicht flussaufwärts gekrümmt. Lange Zeit glaubte man, dass die Ingenieure die Brücke absichtlich so konstruiert hatten, um die Struktur der Brücke wie eine Staumauer gegen den Fluss des Wassers zu verstärken. Eine 1989 durchgeführte mikrotopografische Untersuchung zeigte jedoch, dass die Krümmung durch das über Jahrhunderte andauernde Ausdehnen und Zusammenziehen des Steins um etwa 5 mm pro Tag, durch die Hitze der Sonne, verursacht wurde.

Der Pont du Gard wurde weitgehend ohne den Einsatz von Mörtel gebaut. Er enthält schätzungsweise 50.400 Tonnen Kalkstein; einige der einzelnen Blöcke wiegen bis zu 6 Tonnen. Der größte Teil des Gesteins wurde aus dem örtlichen Steinbruch von Estel gewonnen, der etwa 700 Meter flussabwärts am Ufer des Gardon liegt.

Der grobkörnige, rötliche Muschelkalkstein, eignete sich gut für dieses große Bauwerk. Die Blöcke wurden durch Reibung und mithilfe der Schwerkraft so präzise in Form gebracht, dass kein Mörtel benötigt wurde.

Die Erbauer hinterließen einige Inschriften auf dem Mauerwerk, die verschiedene Botschaften und Anweisungen vermitteln. Viele Blöcke wurden nummeriert und mit den erforderlichen Stellen beschriftet, wie z.B. fronte dextra oder fronte sinistra („vorne rechts“ oder „vorne links“), um den Arbeitern Orientierungen zu geben.

Der Bauherr des Aquädukts – ein reicher Bewohner von Nîmes oder vielleicht die Stadt Nîmes selbst – hatte eine enorme Mannschaft von Bauunternehmern und Facharbeitern angeheuert. Ein Landvermesser oder Mensor plante die Route mit Hilfe eines Groma für die Sichtung, der Chorobaten für die Nivellierung und eines Satzes von Messstangen von fünf oder zehn römischen Fuß Länge.

Zum Anheben der Steine werden die Arbeiter umfangreichen Gebrauch von Kränen und Flaschenzügen gemacht haben. Zum Anheben der größten Blöcke wurden vermutlich massive, von Menschen betriebene Laufbänder verwendet. Ein komplexes Gerüst wurde errichtet, um die Brücke während des Baus zu stützen. Das Aquädukt als Ganzes muss ein sehr kostspieliges Unterfangen gewesen sein; Émile Espérandieu schätzte die Kosten auf über 30 Millionen Sesterzen. Als sehr vereinfachte Umrechnung entspräche das ungefähr heutigen 750 Millionen Euro.

Die Außenseite des Pont du Gard waren relativ rauh und wirkten dadurch unfertig, das Innere der Wasserleitung war jedoch äußerst glatt geschliffen, um den Wasserfluss zu optimieren. Die Wände des Kanals wurden aus verkleidetem Mauerwerk und der Boden aus Opus Caementicium hergestellt.

Beide waren mit einem Stuck bedeckt, in den winzige Scherben von Keramik und Fliesen eingearbeitet waren. Er wurde mit Olivenöl gestrichen und mit Maltha bedeckt, einer Mischung aus gelöschtem Kalk, Schweinefett und dem zähflüssigen Saft unreifer Feigen. Dadurch entstand eine Oberfläche, die sowohl glatt als auch dauerhaft war.

Obwohl der Pont du Gard für sein imposantes Erscheinungsbild bekannt ist, ist das Design aus heutiger Sicht nicht ideal, da die Technik, Bögen direkt übereinander zu erbauen, ungeschickt, ineffizient und daher teuer ist, da die die Menge des benötigten Baumaterial höher liegt, als bei anderen Bauvarianten. Später hatten Aquädukte ein ausgeklügelteres Design, bei dem verstärkt Beton verwendet wurde, um die Baukosten zu reduzieren.
Die Aquäduktbrücke von Segovia und die Pont de les Ferreres sind ungefähr gleich lang, verwenden aber wesentlich weniger Bögen. Den römischen Architekten gelang es schließlich, auf das „Stapeln“ ganz zu verzichten. Der Acueducto de los Milagros in Mérida (Spanien), und die Aquäduktbrücke Chabet Ilelouine in der Nähe von Cherchell, (Algerien) verwenden hohe, schlanke Pfeiler, die von oben nach unten mit Beton- und Ziegelsteinen verkleidet wurden.

Schon seit Jahrhunderten ist der Pont du Gard eine Touristenattraktion. Die hervorragende Qualität des Mauerwerks der Brücke führte dazu, dass sie zu einer obligatorischen Station für französische Maurergesellen auf ihrer traditionellen Tour durch das Land wurde, von denen viele ihren Namen auf dem Mauerwerk hinterlassen haben. Ab dem 18. Jahrhundert, vor allem nach dem Bau der neuen Straßenbrücke, wurde die Akuäduktbrücke ein beliebter Etappenort für Reisende der Grand Tour und wurde so zunehmend als Objekt von historischer Bedeutung und französischem Nationalstolz angesehen.

Historie

Der Bau des Aquädukts wird seit langem dem Schwiegersohn und Helfer des römischen Kaisers Augustus, Marcus Vipsanius Agrippa, um das Jahr 19 v. Chr. zugeschrieben. Zu dieser Zeit diente er als Ädil, der für die Verwaltung der Wasserversorgung Roms und seiner Kolonien zuständig war.
Neuere Ausgrabungen deuten darauf hin, dass der Bau zwischen 40 und 60 n. Chr. stattgefunden haben könnte. Tunnel aus der Zeit des Augustus mussten von den Erbauern des Aquädukts von Nîmes umgangen werden, und die im Abfluss in Nîmes entdeckten Münzen sind nicht älter als die Regierungszeit des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.). Auf dieser Grundlage hat ein Team unter der Leitung von Guilhem Fabre argumentiert, dass das Aquädukt um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. fertiggestellt worden sein muss.

Ab dem 4. Jahrhundert wurde die Instandhaltung des Aquädukts vernachlässigt, da aufeinanderfolgende Wellen von Eindringlingen die Region zerrütteten und die Wasserleitung des Akuädukts mit Trümmern, Verkrustungen und Pflanzenwurzeln verstopften, was den Wasserfluss stark beeinträchtigte.

Die daraus resultierenden Ablagerungen in der Leitung sind an jeder Wand bis zu 50 cm dick. Eine Analyse der Ablagerungen deutete ursprünglich darauf hin, dass sie Nîmes bis ins 9. Jahrhundert weiter mit Wasser versorgt hatte; neuere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass sie etwa im sechsten Jahrhundert außer Gebrauch gekommen war, obwohl Teile davon möglicherweise noch wesentlich länger genutzt wurden.

Obwohl einige der Steine des Pont du Gard für den Gebrauch anderswo geplündert wurden, blieb die Akuädukbrücke weitestgehend intakt. Ihr Überleben verdankte sie ihrer Nutzung als Mautbrücke über das Tal. Jahrhundertelang waren die örtlichen Fürsten und Bischöfe für die Instandhaltung verantwortlich und erhielten dafür im Gegenzug das Recht, von Reisenden, die die Brücke zur Überquerung des Flusses benutzten, Mautgebühren zu erheben.

Der Pont du Gard wurde jedoch in den 1620er Jahren schwer beschädigt, als Henri,
Herzog von Rohan, die Brücke während der Kriege zwischen den französischen Royalisten und den Hugenotten, für den Transport seiner Artillerie bearbeitete.

Um Platz zur Flussüberquerung der Artillerie zu schaffen, ließ der Herzog eine Seite der zweiten Bogenreihe bis zu einer Tiefe von etwa einem Drittel ihrer ursprünglichen Dicke entfernen.

1703 erfolgten Sanierungen, um Risse zu reparieren, Spurrinnen zu schließen und die im vorigen Jahrhundert verloren gegangenen Steine zu ersetzen. Der Ingenieur Henri Pitot baute 1743-47 eine neue Brücke neben den Bögen der unteren Ebene, der Akuäduktbrücke, damit der Straßenverkehr den Fluss, auf einer eigens dafür gebauten Brücke, überqueren konnte. Der Schriftsteller Alexandre Dumas äußerte sich sehr kritisch über den Bau der neuen Brücke und kommentierte, dass „es dem achtzehnten Jahrhundert vorbehalten war, ein Monument zu entehren, das die Barbaren des fünften Jahrhunderts nicht gewagt hatten zu zerstören.“

Der Pont du Gard verfiel weiter, und als Prosper Mérimée sie 1835 sah, war sie ernsthaft vom Einsturz durch Erosion und vom Verlust des Mauerwerks bedroht.

Napoleon III., der eine große Bewunderung für alles Römische hegte, besuchte 1850 den Pont du Gard und interessierte sich sehr für dessen Erhalt. Er genehmigte Pläne des Architekten Charles Laisné zur Instandsetzung der Brücke in einem Projekt, das zwischen 1855-58 mit finanzieller Unterstützung des Staatsministeriums durchgeführt wurde. Die Arbeiten umfassten umfangreiche Renovierungsarbeiten, bei denen der erodierte Stein ersetzt wurde, einige der Pfeiler, zur Erhöhung der Stabilität, mit Beton aufgefüllt wurden und die Entwässerung verbessert wurde, indem die Brücke vom Aquädukt getrennt wurde. An einem Ende wurden Treppen eingebaut und die Wände des Kanals repariert, so dass Besucher den Kanal sicher begehen konnten.

Im Anschluss daran gab es eine ganze Reihe von Projekten zur Konsolidierung des Bauwerks, die auch den großen Überschwemmungen in 1958, 1998 und 2002 entgegen wirken sollten.

1985 wurde der Pont du Gard 1985 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, und zwar nach den Kriterien „Menschliches schöpferisches Genie; Zeugnis kultureller Tradition; Bedeutung für die Menschheitsgeschichte“.

In der Beschreibung auf der Liste heißt es „Die Wasserbauingenieure und … Architekten, die diese Brücke entworfen haben, schufen sowohl ein technisches als auch ein künstlerisches Meisterwerk“.

In den 1990er Jahren entwickelte der Pont du Gard sich zu einer äußerst beliebten Touristenattraktion, doch war die Brücke mit dem entstehenden Verkehr überlastet: Fahrzeuge durften immer noch über die Straßenbrücke von 1743 fahren und die Flussufer wurden von etlichen, meist illegalen, Touristenläden und anderen Gebäuden überhäuft.

Wie der Architekt Jean-Paul Viguier es ausdrückte, hatte der „Appetit auf Gewinn“ den Pont du Gard in eine „Jahrmarktsattraktion“ verwandelt.

1996 begann der Generalrat des Departements Gard mit einem großen Vierjahresprojekt zur Verbesserung des Gebiets, das von der französischen Regierung in Zusammenarbeit mit lokalen Quellen, der UNESCO und der EU finanziert wurde. Das gesamte Gebiet um die Brücke wurde fußläufig erschlossen und am Nordufer wurde nach einem Entwurf von Jean-Paul Viguier ein Besucherzentrum gebaut.

Durch die Sanierung und den Wegfall des Autoverkehrs ist das Gebiet um den Pont du Gard nun bedeutend ruhiger geworden und das neue Museum bietet den Besuchern wesentlich geeignetere Möglichkeiten, sich über die Geschichte dieser Sehenswürdigkeit und Ihrer Umgebung zu beschäftigen.