Die beeindruckenden Thermalbäder des antiken Lutetia

Die Thermen von Cluny, heute Teil des Museums von Cluny, sind antike Ruinen von römischen Thermen, mitten in Paris. Die noch heute sichtbaren Bauten sind der Rest eines eines gewaltigen Komplexes, der sich vom Boulevard Saint-Germain bis zur Rue des Écoles und vom Boulevard Saint-Michel bis zum heutigen Museum von Cluny erstreckte. Hierher kamen die Menschen, um sich zu waschen, aber auch, um sich zu entspannen, sich die Haare schneiden zu lassen, zu lesen (in den Thermalbädern gab es eine Bibliothek) oder einfach nur um zu plaudern. Zu den Thermen gehörte auch eine große Palestra, in der Ringen und andere sportliche Aktivitäten ausgeübt werden konnten

Kurze Übersicht

Adresse:

28 Rue du Sommerard, 75005 Paris, Frankreich

Baujahr:

ca. 3. Jahrhundert n. Chr.

Bauart:

Besonderheit:

Teil des Museums von Cluny

Eintritt:

ca. 9,00€, für das komplette Museum

Römische Thermen / Bäder waren öffentliche Badeanstalten, mit häufig beheizten Becken, im Römischen Reich. Thermen beziehen sich gewöhnlich auf die großen kaiserlichen Badekomplexe, während Balneen kleinere öffentliche oder private Einrichtungen waren, die in ganz Rom in großer Zahl existierten. Die Thermen waren nicht nur Bade-, sondern auch Begegnungs-, Lese- und Sportzentren.

Sehenswertes

Die Ruinen der Thermen von Cluny stellen heute noch etwa ein Drittel des alten, kompletten Komplexes dar, der vermutlich zu Beginn des 3. Jahrhunderts errichtet wurde. Einige Bereiche der Thermen sind heute archäologische Stätten, die teilweise in das Musée national du Moyen Age (oder Musée de Cluny) integriert wurden.

Hierbei handelt sich um einen temporären Aufbewahrungsort für historisches Stein- oder Mauerwerk, das von Zeit zu Zeit in Paris gefunden wird. Das spektakuläre Frigidarium ist jedoch vollständig in das Museum integriert und beherbergt den Pilier des Nautes.

Obwohl die Thermen durch die Renovierungen und Zweckentfremdungen innerhalb der letzten zweitausend Jahre in Mitleidenschaft gezogen wurde, sind noch mehrere, weitere Räume des antiken Badekomplexes in das Museum integriert.

Der Bau der Thermen wurde an die natürliche Hanglage, des Berges Sainte-Geneviève, angepasst. Der südliche Teil wurde über einem Hypokaustum erbaut, ein Teil des nördlichen Bereichs konnte jedoch nicht beheizt werden.

Im Südteil lag auch der Eingang, durch einen von Geschäften gesäumten Säulengang, an der Stelle der heutigen Rue des Écoles; der Weg begann im Apodyterium und wurde entweder in den Sporthallen oder in den beheizten Räumen, (Tepidarium und Caldarium mit Becken), fortgesetzt, bevor man zum Frigidarium überging.

Der am besten erhaltene Raum ist das Frigidarium mit intakten architektonischen Elementen wie gallo-römischen Gewölben, Rippen und Konsolen sowie Fragmenten der ursprünglichen dekorativen Wandmalerei und Mosaiken.

Die Gewölbe selbst wurden in opus vittatum mixtum erstellt, das mit mehreren Schichten Gips verputzt wurde.
Nördlich der Halle befindet sich ein Becken, das mit kaltem Wasser gefüllt wurde. Heute sind noch das Drainagesystem und Spuren der Beschichtung erkennbar.

Im westlichen Bereich gibt ein Caldarium, das vom Saint-Michel-Boulevard begrenzt wird; ein weiteres im Süden, an der Ecke des Saint-Michel-Boulevards und der Du-Sommerard-Straße. Die erhöhten Mauern haben ihre ursprüngliche Struktur weitestgehend bewahrt und sind heute noch an mehren Orten erkennbar.

Sie bestehen aus kleinen quadratischen Mauersteinen, die in regelmäßigen Abständen durch Reihen von Ziegelsteinen unterteilt wurden. Im Inneren wurden sie mit Mosaiken, Marmor oder Farben überbedeckt. m nördlichen Teil der Thermen befand sich als zentraler Blickfang ein monumentaler Brunnen direkt an der Fassade.

Weiter nördlich davon befanden sich noch zwei Bereiche für sportliche Aktivitäten.
Unterhalb der öffentlichen Räumlichkeiten befanden sich Kellerräume und Gewölbegänge, die aus kleinen, vermörtelten Bruchsteinen gemauert wurden. Heute sind die Untergründe jedoch nur vom Museum aus zugänglich und dem Personal vorbehalten.

Das Wasser für den Betrieb der Bäder wurde mithilfe eines Aquädukts von den Quellen des Wissous-Plateaus südlich von Paris über Arcueil zu den Thermen befördert. In Wissous wurde das Wasser in einem Auffangbecken, dem Carré des eaux de Wissous, gesammelt, von dem eine Leitung mit einer Durchflussmenge von etwa 2.000 m3 pro Tag nach Lutèce geführt wurde.

Die Ableitung der Abwässer erfolgte über einen Abwasserkanal, der die Thermalbäder umgab und in einen Sammelkanal unter dem Boulevard Saint-Michel abfloss.

Historie

Die nördlichen Thermalbäder, wurden Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts am linken Ufer der Seine, an der Ecke des Cardo und des Decumanus von Lutetia errichtet. Im Jahr 275 kam es vermutlich schon, bei der Invasion von Paris, durch die Franken und Alemannen, zu ersten Zerstörungen.

Im 6. Jahrhundert bezeichnete Venance Fortunat die Bäder als arx celsa, „riesiger Palast„, in dem König Childebert I. (von 511 bis 558 König von Paris) lebte. Auch seine Witwe, Königin Ultrogothonis, lebte dort mit ihren Töchtern,

Zu weiteren Beschädigungen kam es wahrscheinlich bei den zahlreichen Wikinger-Belagerungen und -Bränden, in den Jahren 845, 856, 861 und die von 885-887. Die Belagerung durch Otto II. im Jahr 978 schließlich setzte den südlichen Teil der Stadt in Brand.

Die Anlage und seine Nebengebäude wurden 1340 von Pierre de Châtelus, Abt von Cluny, im Namen seines Ordens gekauft. Die Äbte von Cluny bauten daraufhin eine Herberge an den Thermalbädern, von denen ein Teil der Räume als Scheunen genutzt wurde. In den Jahren von 1485 und 1510 bauten Sie schließlich das heutige Hôtel de Cluny.

Um 1750 siedelte sich in den antiken Bauten ein Kutschenverleiher an, dann ein Gastwirt und ab 1781 die Küfer Falaise und Garnier.

Ab 1810 beschloss die Stadt Paris, im Frigidarium ein Antiquitätenmuseum einzurichten, und begann, die Thermalbäder von einigen der jüngeren Gebäude, die daran angebaut wurden, zu befreien.

Im Jahr 1819 ließ der Innenminister Ludwigs XVIII. auf Gesuch des Architekten Quatremère de Quincy, Graf Élie Decazes, den Mietvertrag für den sich im Frigidarium angesiedelten Fassbinder, gegen eine Entschädigung von 26.000 Pfund, aufzulösen.

Er ordnete den Abriss der Häuser auf den Ruinen entlang der Rue de la Harpe an und ließ die Terrassengärten und die Erde, die sich auf den Gewölben der Thermen befand, entfernen.
Ziel war es, den Komplex zu restaurieren und auszustatten, um zum künftigen Standort, der vom König 1816 gegründetem Museum für französische Denkmäler zu werden.

Die Ruinen wurden zwischen 1820 und 1826 von dem Architekten Louis Moreau geräumt und ausgegraben, während die Restaurierung Etienne-Hippolyte Godde und Charles Rohault de Fleury anvertraut wurde. Schließlich trat die Stadt 1843 die Thermalbäder unentgeltlich an den Staat ab, der sie dann mit dem Museum von Cluny verband.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden mehrere Ausgrabungskampagnen durchgeführt: zuerst von Théodore Vacquer Ende des 19. Jahrhunderts, dann von Paul-Marie Duval von 1946 bis 1957 und schließlich von Jean-Pierre Adam.