Das Theater der Colonia Urbs Iulia Nova Carthago

Römische Unterhaltung für das „neue Karthago“

Das Theater von Cartagena ist ein Theater aus römischer Zeit, das zwischen 5 und 1 v. Chr. in der Stadt Carthago Nova, dem heutigen Cartagena, errichtet wurde. Es hatte ein Fassungsvermögen von ca. 7000 Zuschauern und war bis zum 3. Jh. in Betrieb, danach wurden mehrere Gebäude darüber gebaut. Im Jahr 1988 wurde es von dem Archäologen der Universität Murcia Sebastián Ramallo Asensio entdeckt und bei den von ihm geleiteten Ausgrabungen gelang es ihm, es zu exhumieren, so dass es heute im Rahmen eines Museums besichtigt werden kann. Am 21. Januar 1999 wurde es zum Kulturgut in der Kategorie Denkmal erklärt.

Kurze Übersicht

Adresse:

Plaza Ayuntamiento, 9, 30202 Cartagena, Murcia, Spanien

Baujahr:

Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr.

Bauart:

Besonderheit:

Sehr gut erhaltenes Theater, das einen wundervollen Ausblick über Cartagena bietet

Eintritt:

ca. 6,00 €, inkl. Eintritt in das Museum

Römische Theater stammen von den früheren griechischen Theatern ab.
In den Theatern fanden Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Pantomimen, Chorveranstaltungen und Reden statt. Ihre halbrunde Form verbessert die natürliche Akustik, im Gegensatz zu römischen Amphitheatern, die komplett rund oder oval gebaut wurden. Die Theater waren halbkreisförmig und besaßen bestimmte inhärente architektonische Strukturen, mit geringfügigen Unterschieden je nach Region, in der sie errichtet wurden.

Sehenswertes

Das römische Theater von Cartagena ist geradzu ein archäologisches Juwel und wurde Öffentlichkeit erst 2008 zugänglich gemacht. Der Durchmesser der Cavea beträgt 87,6 Meter, mit einem Fassungsvermögen von etwa 7000 Zuschauern und ist damit eine der größten im römischen Hispanien, nur übertroffen von Corduba mit einer Cavea von 124,3 Metern, Gades mit 120 Metern, Caesaraugusta mit 107 Metern und Clunia Sulpicia mit 91 Metern.

Es wurde fast vollständig aus dem Felsen herausgearbeitet, wobei der nördliche Abhang des Burgberges ausgenutzt wurde, was dem klassischen Typ des auf einem Abhang gestützten Theaters entspricht, bei dem der untere und mittlere Teil der Cavea herausgeschnitten ist, obwohl die Seitenkörper des Gebäudes von gewölbten Galerien getragen werden.

Der Bau folgt dem von Vitruv vorgeschlagenen Architekturmodell, bestehend aus:

Szenische Front mit doppelter Kolonnade, Säulen mit Schaft aus rosa Marmor und Kapitellen aus weißem Marmor.
Orchester: Halbkreis vor der Szene, in dem die Beamten saßen.
Cavea: Tribüne in der, nach sozialem Rang getrennt, die Zuschauer platz nehmen.
Proszenium: Bereich direkt vor der Bühne.
Portikus und Säulengang hinter der Bühne.

Das Publikum trat von zwei Seitengängen (aditus) ein, in denen Widmungen gefunden wurden. Die Orchestra hatte einen halbkreisförmigen Grundriss und beherbergte drei Reihen hölzerner Sitze für die Beamten (proedria).

Die Bühne (proscaenium) hatte eine Länge von 43,60 m. Die scaenae frons hatte drei halbkreisförmige exedras und war mit zwei Säulenordnungen verziert, mit Basen und Kapitellen aus Luni-Marmor und einem Schaft aus rosa Travertin aus Mula.

Das Bühnengebäude hatte eine Gesamthöhe von 14,60 m. Es wurden drei runde Altäre gefunden, die der kapitolinischen Triade und den Gottheiten des Apollo (Grazien, Musen und Horae) gewidmet waren, sowie eine Statue des Apollo mit Lyra und eine der Rhea Silvia.
Hinter dem Bühnengebäude befand sich ein Säulengang (porticus post scaenam) mit einer doppelten Säulengalerie, die um einen zentralen Raum mit Garten angeordnet war.

Historie

Das römische Theater von Cartagena wurde in der Zeit des Kaisers Augustus erbaut. Im Jahr 44 v. Chr. war die Stadt unter dem Titel Colonia Vrbs Iulia Nova Carthago (C.V.I.N.C) in den Rang einer römischen Kolonie erhoben worden. Kurz darauf startete Kaiser Augustus einen ehrgeizigen Plan zur Romanisierung und Urbanisierung der Stadt.

Die Stadt besaß bereits ein großes Amphitheater aus republikanischer Zeit und nun schenkte ihr der Kaiser ein großes Forum und ein Theater von großen Ausmaßen.

Das Theater wurde Lucius und Caius Caesar gewidmet, Prinzen der Jugend und Enkel von Octavian Augustus, deren Namen auf zwei großen grauen Marmorstürzen stehen, die sich am östlichen und westlichen Eingang des Theaters befinden.

Dank dieser Widmungen konnte auch darauf geschlossen werden, dass das Theater zwischen 5 und 1 v. Chr. erbaut wurde.

Bei der Erbauung wurden verschiedene Materialien genutzt: Kalkstein und Marmor aus dem Cabezo Gordo (Torre-Pacheco), Sandstein aus lokalen Steinbrüchen, wobei die Säulen aus rotem Travertin aus Mula hervorstechen, und ganz besonders die gesamte bildhauerische Verzierung des Theaters, die aus weißem pentelischem Marmor aus Griechenland besteht und sehr wahrscheinlich in kaiserlichen Werkstätten in Rom selbst geschnitzt und eigens für den Bau des Theaters in die Stadt importiert wurde.

Mit der Gründung der römischen Provinz Carthaginense mit ihrer Hauptstadt im 3. Jh. erlebte die Stadt einen gewissen Bevölkerungs- und Wirtschaftsaufschwung, und auf dem Theater wurde unter Verwendung von dessen Materialien ein Säulenmarkt errichtet, dessen Hauptplatz in halbrunder Form die Struktur der Kapelle versteinerte.

Kapitelle, Säulen und sogar Skulpturen waren Teil der Wände und Fundamente der neuen Strukturen. Aus diesem Grund sind bis zu 60 % des ursprünglichen Materials, mit dem das Theater gebaut wurde, an seinem ursprünglichen Platz, wenn auch verschoben.

Nach der Zerstörung der Stadt durch die Vandalen im Jahr 425 wurde dieser Markt wahrscheinlich stark beschädigt und lag brach.

Mit der Wiederherstellung der römischen Herrschaft durch den byzantinischen Kaiser Justinian I., der Neugründung der Stadt als Carthago Spartaria und deren Wiederaufbau und Ummauerung wurde im 6. Jahrhundert auf den Ruinen des römischen Theaters ein Geschäftsviertel eingerichtet.

Über dem byzantinischen Viertel und dem Theater wurde im 13. Jahrhundert die Kathedrale Santa Maria la Vieja errichtet. Viele der Wände der Kathedrale enthalten Überreste aus verschiedenen Epochen, von denen einige dem Theater zuzuordnen sind.

Es wurde zufällig entdeckt, als der Bau des Regionalen Handwerkszentrums begann.

Da es von aufeinanderfolgenden Besatzungsschichten (byzantinisch, andalusisch, spätmittelalterlich…) überdeckt wurde, war das Theater verborgen und es gab keine bekannten Aufzeichnungen über seine Existenz. So wurde das Theater zwar erst spät (1988) entdeckt, aber es blieb so auch ein großer Teil (rund 60%) der originalen Bauteile , in gutem Zustand, erhalten.

Die Restaurierung des Denkmals, die unter der technischen Leitung des Archäologen Sebastián Ramallo Asensio durchgeführt wurde, wurde 2008 teilweise abgeschlossen. Bei der Restaurierung wurde das Kriterium beachtet, klar zu unterscheiden, was Originalmaterialien und was neue Materialien sind.

Gleichzeitig wurde der Bau des Museums des Römischen Theaters von Cartagena an den Architekten Rafael Moneo in Auftrag gegeben, das am 11. Juli 2008 eingeweiht wurde. Der Besuchereingang in das Theater erfolgt heute durch dieses Museum.

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