6 Meter hohe Mauern als Erben der punischen Kriege

Antike militärische Eingrenzungen, die heute die Altstadt einrahmen

Die Stadtmauer von Tarragona ist eine, ursprünglich als Eingrenzung miliitärischem Gebiets von Tarraco erbaute, 6 Meter hohe Stadtmauer, aus der Zeit des zweiten punischen Kriegs. Heute umgibt sie die Altstadt von Tarragona und bietet viele Gründe für einen Besuch.
Nicht nur ist die Geschichte dieses Ortes äußerst interessant, sondern wurden entland der besuchbaren Bereiche parkähnliche Anlagen errichtet, von denen man einen wundervollen Ausblick auf Tarragona und das Umland genießen kann.

Kurze Übersicht

Adresse:

Via de l’Imperi Roma, 13b, 43003 Tarragona, Spanien

Baujahr:

ca. 300-200 v. Chr.

Bauart:

Stadtmauer

Besonderheit:

Das älteste erhaltene Bauwerk von Tarraco und eines der Ältesten des Reichs, außerhalb von Rom

Eintritt:

3,30 € (Stand 2019)

ACHTUNG: nur Kartenzahlung möglich und günstiges Kombiticket möglich, welches man abstempeln lassen kann: Stadtmauer, Amphitheater, Forum und Circus

Römische Stadtmauern waren die Weiterentwicklung von Holzpalisaden und Wallanlagen. Sie wurden für eine langfristige Nutzung aus massivem Naturstein, Ziegeln und Beton gebaut und dienten so zum Schutz von Städten, Siedlungen und militärischen Lagerplätzen.

Sehenswertes

Die römischen Mauern von Tarragona sind eines der ersten großen Bauwerke, die die Römer, nach dem Einmarsch von Publius Cornelius Scipio Africanus, in der neuen Kolonie Tarraco errichteten.
In der Zeit des zweiten punischen Krieges galt Tarraco als die wichtigste Militärbasis, sodass die Mauer, ursprünglich als Holzzaun gebaut, stetig verstärkt und umgebaut wurde.

Die heute noch sichtbaren, rund 1100 Meter langen (ursprünglich ca 3500 Meter), Elemente der Mauer, die die Altstadt Tarragonas umgeben, sind daher das Ergebnis eines 2200 Jahre währenden Prozesses.
Große Bestandteile der Mauer existieren heute nicht mehr, da Teile davon als Baumaterial in die mittelalterlichen, modernen und zeitgenössischen Gebäude der Stadt Tarragona integriert wurden.

Heute kann dort nicht nur römische Architektur und Geschichte der Costa Dorada bewundert werden, sondern auch eine wunderschöne Aussicht auf die Nord-Ost-Seite Tarragonas und in das Landesinnere Kataloniens..; zudem wird der Rundgang auf der Mauer von parkähnlichen Anlagen, jüngerer Geschichte wie mehreren Kanonen der alten Stadtabwehr und Sitzecken begleitet, die geradezu zu einem Picknick einladen.

Die Stadtmauern befinden sich im Nordosten Tarragonas und umrundeten ursprünglich das Provinzforum und den Circus, nördlich der Via Augusta.

Der erste Teil der Mauern wurde zwischen 217 und 197 v.Chr. erbaut. Vom diesem Teil sind heute noch drei Türme erhalten, die zur Verstärkung der Stadtmauer gebaut wurden:
Der des Erzbischofs (im 14. Jahrhundert rekonstruiert), der des Cabisols (Seminari) und der, der Minerva (Sant Magi).

Auf gewaltigen Megalith-Sockeln wurde ein Mauerwerk aus Natursteinen erstellt, dessen ursprünglicher Zustand heute leider nicht mehr  bekannt ist, da in der Neuzeit und im Mittelalter immer wieder Umbauten stattfanden und Material entnommen wurde. Im Mittelalter wurde auf dem antiken Turm jedoch auch ein weiterer Aufbau errichtet, der als „Turm der Templer“ und später als „Paborde“ oder „Turm des Erzbischofs“ bekannt wurde.
Der Ursprung des Turms liegt noch in der erste Bauphase der Mauer. Im Innenraum des oberen Bereich befindet sich heute ein Büro der Erzdiözese.

Der Turm des Cabiscol ist ein weiterer Turm aus der ersten Bauphase der römischen Stadtmauer. Die Konstruktion ähnelt der, des Turms des Erzbischofs:

Eine Megalith-Basis, verfüllt mit Schichten aus Erde und Kies und ein oberer Teil aus gemauerten Quadern.
Dieser Turm verbindet sich im Osten mit einer Schleuse der „ersten Phase“, die ihn mit dem Turm der Minerva verbindet. Im Westen hingegen wird er von einer Schleuse der „zweiten Phase“ verbunden, die zum Turm des Erzbischofs führt.

Am höchsten Punkt der Stadt befindet sich der Turm der Minerva, der zwar einen guten Blick auf die Stadt bot, aber besonders auf das Mittelmeer und dem Pfad zum römischen Feldager.
Dieser wurde als fast quadratischer Turm, mit einer Größe von ca. 11 x 11 Metern erbaut.  Die Basis des Turms besteht aus sechs unregelmäßigen Reihen von Megalithen, die – zur Stabilität – zusammen mit kleineren Keilartigen Steinen vermauert wurden.

Historie

Archäologische Forschungen haben es ermöglicht, den ursprünglichen Bau der steinernen Mauer auf Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. Zu datieren und ihn damit in Verbindung mit der Ankunft der römischen Armeen im zweiten punischen Krieg zu bringen. Zu dieser Zeit war Tarraco noch eine reine Militärbasis.

Der Bau der Mauer erfolgte in zwei Phasen. Zunächst wurden während der Eroberung durch die Scipios eine Reihe von Festungen errichtet, die einige Jahre später, zu Beginn des zweiten Jahrhunderts v. Chr. als der Krieg mit den Karthagern beendet war, neu aufgebaut wurden. Diese „zweite“ Mauer wurde im Kampf gegen die ursprünglichen Bewohner dieser Region genutzt.

Bisher wurde angenommen, dass die Steinmetzspuren, die auf einigen Quadern sichtbar und anscheinend im iberischen Alphabet geschrieben wurden, ein Beweis für die Beteiligung indigener Arbeiter am Bau der Mauer waren. Neuere Studien zeigen jedoch, dass sie tatsächlich das Werk italienischer Steinmetze sind.

In der „zweiten Phase“ wurde das ursprüngliche Relief von Minerva zugemauert und erst wieder entdeckt, als es im 20. Jhd. durch einen Einsturz freigelegt wurde.
Im Inneren des Turmes konnte eine der vermutlich ältesten lateinischen Inschriften Spaniens gefunden werden: „M. VIBIVS MENRVA“, eine Weihung an die, an der Außenseite dargestellte, Göttin.

Während des 13. oder 14. Jahrhunderts wurden der römischen Verteidigungsfläche neue Türme hinzugefügt, wie beispielsweise der Tintorerturm, der sich an der heutigen Allee des Römischen Reiches befindet. An der Ostwand sind Spuren schlechter Restaurierung zu sehen.

Die Mauern wurden vor allem im Mittelalter und nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (18. Jahrhundert) zahlreichen Umbauten und Restaurierungen unterzogen. Das wichtigste erhaltene mittelalterliche Element ist der Turm des Erzbischofs, der im 14. Jahrhundert auf den gut sichtbaren Fundamenten eines römischen Turms errichtet wurde.

In Bezug auf die Eingriffe des 17. Jahrhunderts sollte besonders die 550 m lange Stützmauer erwähnt werden, die britische Ingenieure während des Spanischen Erbfolgekrieges errichtet haben. Aus derselben Zeit stammen das Roser-Portal, die Bastion Santa Bàrbara (auch Fortí Negre genannt) und das Sant Antoni-Portal, deren aktuelles Erscheinungsbild dem Bau von 1757 entspricht. Die Mauer zwischen diesem Portal und dem heutigen Gebäude des Archäologischen Museums wurde zur Unterbringung genutzt.

Der Archäologische Weg wurde im 20. Jahrhundert erbaut, ein Gartenbereich, der den Raum zwischen der römischen Mauer und der Gegenmauer aus dem 18. Jahrhundert einnimmt. Das am 22. Oktober 1932 eingeweihte Werk wurde vom Architekten Jeroni Martorell entworfen.