Das lange verschollene Lokalforum von Tarragona

Das kleine Forum als Zentrum für Religion und Gesellschaft

Tarraco hatte zwei Foren: eines für den Provinzrat im oberen Teil der Stadt und dieses kleinere, aber deutlich ältere Forum, für lokale Angelegenheiten. Es befand sich sich im unteren Teil der Stadt, in der Nähe des Theaters und des Hafens:
Das Kolonialforum, an dem die administrativen und kommerziellen Angelegenheiten der Colonia geregelt wurden. Das Lokalforum ist Kulturgut von nationalem Interesse, liegt heute - umgeben von Wohngebäuden - mitten in Tarragona und wird dennoch häufig von Touristen übersehen.

Kurze Übersicht

Adresse:

Carrer de Lleida, s/n, 43001 Tarragona, Spanien

Baujahr:

Vermutlich ca. 30 v. Chr.

Bauart:

Forum

Besonderheit:

Einer der ältesten Orte von Tarragona und Ort des conventus der Region

Eintritt:

3,30 € (Stand 2019)

ACHTUNG: nur Kartenzahlung möglich!

Römische Foren waren Zentren des politischen, religiösen, juristischen und wirtschaftlichen Handelns einer Stadt.
Die häufig – sehr vereinfachte – Übersetzung als Marktplatz trifft nicht zu, da auf den Foren viel mehr als nur Handel getrieben wurde und es häufig separate Plätze für reine wirtschaftliche Aktivitäten gab.

Sehenswertes

Die Überreste des Kolonialforums von Tarragona, liegen heute mitten im Zentrum der Stadt Tarragona und sind fußläufig gut, vom Bahnhof und anderen historischen Orten aus, zu erreichen.

Der Komplex besteht aus zwei Bereichen, die durch die Straße „Carrer de Soler“ getrennt und durch eine Metallbrücke über die Straße miteinander verbunden sind.

Im ersten, dem jüngeren, Bereich, der zwischen den Straßen „Carrer de Lleida“, „Carrer del Cardenal Cervantes“ und „Carrer de Soler“ liegt, befinden sich die Ruinen der Justizbasilika, eine Tribüne und die Überreste damaliger Häuser.

Im zweiten Bereich, der von den Straßen „Carrer de Soler“, „Carrer del Cardenal Cervantes“ und „Carrer de Fortuny“ abgegrenzt wird, befindet sich ein Teil des Kapitols, die Überreste eines großen, öffentlichen Platzes und von Insulae (Häuserblocks), die teilweise von Straßen umgeben sind und von denen eines gepflastert ist. Dieser ältere Bereich des Forums war, mit Blick auf die Hafenbucht und die Flussmündung Bestandteil des iberischen Oppodiums, das sich bereits seit. dem 5. Jahrhundert v.Chr. über dieses Vorgebirge erstreckte.

Das Zentralgebäude des Forums besteht aus einem rechteckigen Quadrat von etwa 58 x 12,5 m; darum herum befindet sich ein Portikus mit 6,10 m hohen Säulen. Am Fuße des nördlichen Portikus, mit dem er durch breite Bögen verbunden ist, befinden sich einige Räume – vermutlich tabernae oder hospitiae – mit den Maßen 2,90 x 3,90 m.
Die Decke des Portikus war aus Holz, während die Tavernen mit einem Steingewölbe überbaut wurden. Alle Wände und architektonischen Elemente wurden aus lokal abgebautem Sandstein errichtet.

Die Baslika war ein sozialer, administrativer, politischer und auch gerichtlicher Versammlungsort. Er wurde als überdachter, dreischiffiger Bau erreichtet, wobei das Mittelschiff doppelt so breit wie die Seitenschiffe war.

Der innere Portikus, der die Seitenschiffe trennte, wurde von korinthischen Säulen (14×4) gebildet. Sieben Basen der Säulen in der südöstlichen Ecke sind noch erhalten.

Eine Besonderheit der Basilika von Tarraco besteht darin, dass sie an einer ihrer Seiten eine Reihe kleiner Räume beherbergte, deren Breite den Zwischensäulen entsprach. Diese Nebengebäude dienten geschäftlichen Zwecken oder zum Treffen religiöser Bruderschaften (Collegia).

Zentral, in der Mitte der kleineren Räumlichkeiten, lag die Kurie, der Treffpunkt für den örtlichen Senat.

Außerhalb der Basilika, direkt neben der „Carrer de Soler“, über den alten Abwasserkanälen, kann man die Reste einer mit dem Platz verbundenen Tribüne sehen, die im zweiten Bereich der Anlage erhalten geblieben ist.
Hinter der Basilika befindet sich die Zisterne eines Gebäudes, das vermutlich für den Bau der Basilika abgerissen wurde.

Heute sind auch Überreste eines Gebäudes sichtbar, die von dicken Steinplatten bedeckt werden, und einen kleinen Innenhof mit Säulen; dieser war wahrscheinlich Bestandteil eines größeren Komplexes, der mit der Verwaltung der Stadt zusammenhing.

Neben den heutigen Gebäuden finden wir die Überreste des Kapitols. Dies war der Haupttempel von Tarraco, der den drei Hauptgottheiten des römischen Pantheons (Jupiter, Juno und Minerva) gewidmet war. Der erhaltene Teil des Tempels beschränkt sich auf die Fundamente aus römischem Beton (opus caementicium), die sich mit Quadersteinen an der Rückseite des Tempels abwechseln, der durch eine Blindmauer verschlossen war.

Dadurch konnte von der „Carrer del Pedre“ aus nur eine Sackgasse gesehen werden, da die Fassade des Tempels nach Südwesten ausgerichtet war, wo sich heute die „Carrer del Gasòmetre“ befindet.

Die teilweise rekonstruierte gepflasterte Straße grenzt auf einer Seite an eine Häuserinsel, von der eine Fassade in ihrer gesamten Länge erhalten geblieben ist.

Einige dieser Häuser haben im Inneren große Silos, was einem früheren Stadium entsprechen würde. Mehrere erhaltene Säulen geben uns einen Hinweis auf die ursprüngliche Form der Basilika, mit Tavernen auf der Außenseite.

Historie

Die archäologischen Überreste des Kolonieforums wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt, als die alten Renaissancemauern, die die Stadt auf dem Höhepunkt der heutigen Rambla Nova abschlossen, abgerissen wurden.

Die Vermutung, dass die hier liegenden archäologischen Überreste von großer Bedeutung sein könnten, führte um 1920 zum Beginn moderner Ausgrabungen des noch nicht erschlossenen Teils, der heute dem als Kolonialforum oder Lokalforum bekannten Gebiet entspricht.

Zur Regierungszeit von Augustus fand ein tiefgreifender Umbau des Forums, mit der Schaffung des neuen, zweiten Platzes neben dem Ersten statt, auf dem die Basilika mit einem axialen Hof hervorstach, der von der Statue des Augustus und angrenzen Gebäuden geprägt wurde.

Im gleichen Zeitraum wurde das Theater in direkter städtischer und funktionaler Beziehung zum Forum und zum Hafen gebaut.

Unter Tiberius wurde die Basilika renoviert und der sogenannte „Plaça de les Estàtues“ geschaffen, ein Zwischenraum, der von der Basilika aus zugänglich und mit einer Straße (decumanus) verbunden ist, zu der die dokumentierten Häuser (domus) eine Wand bildeten.

Rund um die Basilika wurden zahlreiche Statuen errichtet, von denen einige zum Kaiserkult gehörten. Auf dem Platz neben der Basilika wurden mehrere Statuen von Mitgliedern der kaiserlichen Familie der Claudisch-Julischen Dynastie entdeckt. Im zweiten Jahrhundert wurde das Forum der Kolonie neu reformiert und blieb bis zur zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts in Betrieb.

Das Kolonialforum von Tarraco wurde bei einem Einfall der Barbaren durch ein Feuer zerstört, und schließlich ging die Spur verloren.

Ende des 19. Jahrhunderts, als dieser Bereich von Tarragona urbanisiert wurde, wurde ein Teil dieser Ruinen des lokalen Forums wieder freigelegt. Die Funde der Basilika, des Portikus mit der (tabernae) und der Kurie sowie die wahrscheinliche Existenz eines Tempels zeugten von seiner zentralen Funktion, die sowohl ein Marktplatz als auch ein Ort der Verwaltung und Repräsentation der Stadt sein sollte. So wurde letztlich die Entscheidung getroffen, mit Ausgrabungen zu beginnen.